Nora Miedler


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Nora-Rezensionen

Rezensionen

Abgeschieden ins neue Jahr
Was für eine tolle Idee! Fünf Freundinnen fahren in eine einsame Berghütte zwischen den Jahren. Sie kennen sich lange und sie kennen sich gut. Glauben sie zumindest. Denn bereits auf der Hinfahrt erhält die versprochene Idylle Risse, gruppendynamische Prozesse nehmen ihren Anfang, Grüppchenbildung. Doch spätestens bei einem lockeren "Wahrheit oder Pflicht"-Spiel soll der Frohsinn in der Hütte Einzug halten. Dass plötzlich das Licht ausgeht, Geräusche eines Tumults zu vernehmen sind, und das Messer, das eigentlich zum Durchschneiden der schönen Torte in der Mitte des Kreises der Mitspielerinnen lag, hat nun die Kehle von einer der jungen Frauen durchschnitten...
Nora Miedler gelingt in "Warten auf Poirot" ein sehr augenzwinkerndes Spiel mit dem Genre. Sie schafft eine klassische Ausgangslage: Eine Berghütte, ein begrenzter Personenkreis, viel Schnee, natürlich keinen Kontakt zur Außenwelt udn ein sich langsam steigerndes Misstrauen. Da hilft es dann eigentlich auch nicht, als sich die verbleibenden vier entschließen, mittels einer Séance das Rätsel zu lösen. Denn der Geist offenbart zuerst die Buchstaben P-O-I-R-O-T. Und der belgische Meisterdetektiv, erdacht von Agatha Christie, wird wohl kaum der Täter sein?! Aber vielleicht kann er helfen. Die Vier warten auf Poirot.
Gekonnt inszeniert, dabei mit den Regeln des Genres spielend, ist dieses Debüt sehr lesenswert, spannend und feinsinnig. Beste Lektüre für die Zeit zwischen den Jahren.
Rainer Scheer in "Doppelpunkt - Magazin für Kultur in Nürnberg - Fürth - Erlangen", Nr. 12,
15.12.09 - 14.1.2010"



Launiges Kammerspiel mit Todesfolgen

Fünf Freundinnen, die sich seit Schulzeiten kennen, wollen das Neujahrfest gemeinsam auf einer einsamen Berghütte verbringen. Friede, Freude, Eierpunsch, ausgelassene Gespräche und nostalgische Erinnerungsreisen sollte man meinen. Doch weit gefehlt. Unterschiedliche Biographien, Lebensentwürfe und Schicksale prallen aufeinander.
Plötzlich liegt eine der Freundinnen mit durchschnittener Kehle im Zimmer. Die vier Überlebenden begeben sich auf Mördersuche, stoßen auf Lügen und Geheimnisse. Poirot hält es derweil wie die Beckettsche Figur, auf die der Romantitel anspielt: er erscheint nicht. Ist aber auch egal, denn am Ende wird eine Täterin entlarvt. Oder doch nicht?
Nora Miedler macht eigentlich alles verkehrt, was man beim Schreiben eines Kriminalromans nur verkehrt machen kann. Sie kreiert eine Erzählerin, die man im wahren Leben nicht mit der Kneifzange anfassen würde, ihre fünf, vier, drei Protagonistinnen reden und reden, als ob es kein Morgen gäbe, und ein Ermittler kommt gar nicht vor. Und doch ist
Warten auf Poirot ein verlockendes, witziges und spannendes Stück Kriminalliteratur geworden, das über seine 188 prall gefüllten Seiten überzeugt.
Wir lernen kennen: Charlie, die 28-jährige Erzählerin, leicht hysterisch und von Panikattacken geplagt, hetzt sie durch den Roman wie ein Teenager durch’s Tagebuch kurz vorm Schlafengehen. Sie lässt uns unverblümt teilhaben an ihren Gedanken, ihrer chaotischen Gefühlswelt und ihren Ängsten. Von Beginn an verdächtig, wünscht sie doch der schönen Rita gleich im ersten Satz den Tod an den Hals. Und wir wissen ja alle, wie das so ist mit Wünschen: manchmal werden sie zum Fluch.
Weitere Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs: Marnie, Edelprostituierte und alkoholkrankes, zynisches Wrack (wenn auch Poirot nicht auftaucht, Philip Marlowe hat eine Seelenverwandte in den verschneiten Alpen); Ingrid, die karrieregeile Anwältin, aufgestiegen aus ärmlichen Verhältnissen, hat sie ihre Freundinnen auf der beruflichen Erfolgsleiter hinter sich gelassen. Schließlich Sonja, die gemütvolle, ewig ausgleichende Übermutter.
Wie sollte es anders sein, jede der Figuren hütet ein dunkles Geheimnis – vielleicht mit Ausnahme Charlies; die so gerne dunkel und geheimnisvoll wäre, und doch nur ein durchschnittliches Menschenkind ist. Manchmal wird es ihr bewusst, aber da helfen hysterische Lachanfälle, um von der eigenen Mittelmäßigkeit abzulenken. Immerhin erhält sie die Chance über sich hinaus zu wachsen.
Nora Miedler gelingt es, diesen Stereotypen des 21. Jahrhunderts Leben einzuhauchen; mögen sie auch scheinbar einem Katalog des alltäglichen Wahnsinns entstiegen sein, gibt es immer wieder Brüche und Widerhaken, die diese aus unerfindlichen Gründen aneinander gebundenen Weibsbilder, nachvollziehbar und menschlich erscheinen lassen. Sie haben ihre Leichen im Keller, aber letztlich ist keine so vermodert, dass man deswegen morden müsste. Oder doch? Miedler lässt immer wieder geschickt durchblicken, wie wenig weit eine bourgeoise Biographie vom Schritt in die Kriminalität entfernt ist.
Und so nimmt es auch nicht Wunder, dass sämtliche Protagonistinnen in ziemlich kurzer Zeit in der Lage sind, sich gegenseitig zu durchschauen. Da rätselt Charlie herum, welche Motive und Motivationen die fünf so unterschiedlichen Charaktere verbindet und wird gleich darauf kunstgerecht von ihren Mitreisenden diagnostiziert. Doch Miedler gönnt den Freundinnen die positive Botschaft nicht, die aus dieser Vertrautheit resultieren könnte: den anderen trotz seiner Schwächen und Macken zu akzeptieren und vielleicht dabei zu helfen, Probleme zu lösen und Krisen zu überwinden. Stattdessen wird Nähe tödlich.
Schlecht für die jungen Damen, gut für uns Leser. Denn Miedler führt uns mit sicherer Hand durch ein Kriegsgebiet und heil wieder heraus. Die Tarnung als paranoide Hanni und Nanni-Phantasie gibt dem ganzen einen hinterfotzigen Witz, der bei der Stange hält, auch wenn gerade mal nichts passiert, außer Räsonnieren und Parlieren. Da Miedler aber auf altkluge Bemerkungen und Plattitüden verzichtet, und vor allem jede ihrer Heldinnen ernst nimmt – wenn auch die von allen umkreiste Rita etwas blass bleibt (im Verlauf nachvollziehbar) – ist
Warten auf Poirot ein rundum gelungenes Debüt.
Und wenn Nora Miedler am Ende alles ins Ungefähre kippen lässt, ist das nur konsequent. Denn all den Hoffnungen, Lügen und kleinen Erfolgen ist eins gemein: sie stehen auf verdammt wackeligen Beinen. Ein Buch wie
Warten auf Poirot haut sie dann auch noch skrupellos, aber mit viel Verständnis, weg.
It must be love. …

Jochen König in Krimi-Couch.de, September 2009


Will ich so etwas wie Absolution von Ihnen? Könnte sein.

Die Videothekarin Charlie hat´s nicht leicht. Ihr Leben ist nicht gerade von Erfolg geprägt, ihre Familie ist eine wandelnde Katastrophe, und vor gar nicht allzulanger Zeit hat es sie auch noch in eine Nervenklinik verschlagen. Und daß sie noch dazu in den Bruder ihrer intriganten Freundin Rita verliebt ist, macht das Leben auch nicht angenehmer, da diese Zuneigung nicht unbedingt auf Gegenseitigkeit beruht.
Da scheint ein Neujahrs-Kurzausflug mit vier Jugendfreundinnen in die österreichischen Alpen wenigstens eine willkommene Abwechslung zu versprechen - allerdings mehr Abwechslung, als ihr lieb ist. Denn gleich nach Bezug ihrer einsam gelegenen (was sonst?) Berghütte kommt ein wuchtiger Schneesturm auf, der die fünf jungen Frauen völlig von der Außenwelt abschneidet. Keine Sicht, kein Handy-Empfang ... und ein Mord. Natürlich mit der Erkenntnis, daß eine von ihnen die Mörderin sein muß.
Was folgt, ist ein Setting, wie wir es von Agatha Christie kennen: ein klassischer Whodunit, allerdings einer, der atmosphärisch eher an "In 3 Tagen bist du tot" als an die distinguierte Welt untergegangener britischer Noblesse erinnert. Was nämlich wie ein etwas seifiger Zickenkrieg beginnt, wandelt sich unversehens in einen mit Survival-Horror-Elementen abgeschmeckten klaustrophobischen Thriller, der nicht nur die Psyche der Protagonistinnen freilegt.
Mit Warten auf Poirot legt die Wiener Schauspielerin Nora Miedler einen schnörkellosen Debütroman hin, dem man seine Debüthaftigkeit allerdings keine Zeile lang anmerkt. Natürlich hat Miedler nicht das Rad der Krimiliteratur neu erfunden - doch mixt sie (scheinbar) bekannte Sujets zu einem eigenständigen und spannenden Genreeintrag, der etwas darstellt, was in hiesigen Landen immer noch Seltenheitswert hat: eine gute Geschichte, und die auch noch gut erzählt.
Patient tot - Operation gelungen.

Thomas Fröhlich in EVOLVER Juni.2009 www.evolver.at


Hüttenzauber mit Kuchenmesser

»Weiberabend auf der Schihütte: statt harmonischen Getratsches über Frisuren, Diäten und Fetzen- wie sich's Mann halt so vorstellt - geht's hier ganz anders zur Sache. Am Beginn des Ausflugs steht die peinvolle Schilderung eines familiären Weihnachtsfestes. Ist derlei schon für normal robuste Naturen ein ziemlicher Alptraum, leidet die Ich-Erzählerin Charlie ganz besonders unter dem gefühligen Supergau. Sie übersteht das Spektakel nur mit Mühe ohne Zusammenbruch, ist sie doch psychisch instabil und hat eine Zeitlang in einer entsprechenden Klinik verbracht. Ihre Dünnhäutigkeit hat zudem ihre Beobachtungsgabe verschärft und zwar bis ins Unerträgliche. Hinzu kommt noch, dass Charlie die Aussicht auf Hüttenzauber mit den Freundinnen keineswegs aufheitert. Hat doch eine von ihnen, Rita, ihren Bruder dazu gebracht, Charlie ohne weitere Erklärung zu verlassen. Charlie hegt daher einen besonderen Hass auf die intrigante Rita und ergeht sich in allerlei Rachephantasien. Die werden nur allzu schnell wahr, denn während eines Stromausfalls auf der Schihütte wird Rita mit einem Kuchenmesser erstochen. Die Wiener Schauspielerin Nora Miedler bedient sich eines klassischen Plots. Eine geschlossene Gesellschaft befindet sich an einem abgelegenen Ort, aus dem keine Flucht möglich ist. Die gegenseitigen Verdächtigungen führen schließlich zum Eklat mit einem unerwarteten Nachspiel. Warten auf Poirot (Ariadne) ist für eine Debütantin nicht ungeschickt gemacht. Und die Boshaftigkeit der scheinbar schwachen und schutzbedürftigen Erzählerin trägt dazu bei, die dialogsichere Geschichte bis zuletzt am Kochen zu halten.«
Kriminelle Fundstücke von Ingeborg Sperl, 19.05.2009 www.krimiblog.at


Fünf Frauen in einer Berghütte, eingeschneit.
Da geschieht ein Mord – und es sind nur noch vier. Das Ganze heißt Warten auf Poirot, und wär’s von Gilbert Adair, könnten wir uns auf eine witzige Persiflage gefasst machen. Ist aber von Nora Miedler, gar nicht witzig – aber reichlich durchtrieben. Zunächst lernen wir Charlie kennen. Charlie ist eine junge Frau ohne Selbstbewusstsein, dafür aber voller Selbstzweifel. In der Klapsmühle war sie deswegen auch schon. Charlie hat vier Freundinnen, von denen sie mindestens eine gerne umbringen möchte ... Fünf Frauen, fünf Lebensentwürfe, und die überlebenden Vier (es wird nicht bei vier bleiben) umkreisen sich voller Misstrauen, denn eine muss ja die Mörderin sein. Natürlich tun sich Abgründe auf, bröckelt die Fassade, werden bislang unterdrückte Aggressionen wie Adrenalin ausgeschüttet. Das Ganze spielt sich auf engstem Raum ab und ließe sich auch als Theaterstück gut inszenieren (kein Zufall: Nora Miedler ist gelernte Schauspielerin). Wie sich die Frauen da verbal umkreisen, das kennt man als Mann gar nicht, da hätte man längst was unternommen, das Auto wieder flottgekriegt, den Marsch in die Zivilisation durchorganisiert, sich wenigstens gegenseitig zünftig in die Fresse gehauen. Die Frauen denken daran nur beiläufig, sie setzen auf die Psychokarte ... Das Ende, das hat einfach Klasse. Der Fall wird gelöst – doch wenn man genauer drüber nachdenkt ... vielleicht doch nicht? Also: Man warte durchaus gespannt auf den nächsten Krimi von Frau Miedler. Poirot muss nicht kommen. Die Frau hat auch ohne ihn Talent, sie kann schreiben – und der Rezensent hat sich bis dahin vielleicht auch dran gewöhnt, dass Frauen immer so viel reden.

„Watching the detectives“ von Dieter Paul Rudolph, Mai 2009 www.hinternet.de


Auf den Detektiv Poirot warten wir bei Nora Miedler vergeblich
die Frauen müssen die Situation selbst lösen. Was durchaus Überraschungen mit sich bringt … psychologisch raffiniert aufgebaut, Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.
Anni Bürkl – texteundtee


Hercule Poirot schaut in der Berghütte vorbei

Agatha Christies belgischer Privatdetektiv Hercule Poirot schaut vorbei: Als Geist, der ein Glas bewegt, um den versammelten Frauen zu verraten, wer von ihnen die Mörderin ist. Aber erstens schafft er’s eh nicht. Zweitens brauchen ihn die Frauen nicht.
Autorin Nora Miedler bezieht Poirot ein, um diesem Klassiker danke zu sagen. Die Wiener Schauspielerin, geboren 1977, hat das alte Kammerspiel (das noch immer funktioniert) mit modernen Typen besetzt – mit fünf Jugendfreundinnen, die Urlaub in einer verschneiten Berghütte am Dachstein machen. Naja, und plötzlich liegt eine von ihnen erstochen auf dem Boden. Sehr sorgfältig geht Debütantin Miedler mit Charlie um. Die ist 28 und ein Wrack. Charlie erzählt. Und hat Panikattacken und hysterische Lachanfälle, weil ihr der Freund ausgespannt wurde. Sie ist nicht verrückter als die anderen vier Frauen, doch gefällt sie sich in dieser Rolle.
Man muss Charlie nicht mögen – der Krimi aber wird zügig und gern gelesen.
Peter Pisa im "Kurier" vom 18.04.2009


Ganz ohne Miss Marple
Klassisches Agathe-Christie-Setting, neu intertpretiert.
Fünf Freundinnen trinken über Neujahr auf einer verschneiten Berghütte, in der kein Handy funktioniert, Whiskey und spielen „Pflicht oder Wahrheit“. Plötzlich wird es dunkel und als das Licht wieder angeht, liegt eine von ihnen mit aufgeschlitzter Kehle tot am Boden. Vier Personen in einem abgeschlossenen Raum, eine davon muss der Mörder sein. Mit diesem klassischen Krimi-Setting spielt Nora Miedler in ihrem Erstling gekonnt und unterhaltsam.

"Die Presse" vom 12.04.2009


Geheimtipp!
Der Debütroman der Wienerin Nora Miedler ist ein gekonnter Mix aus Psychodrama und Whodunit, an dem auch Agatha Christie ihre Freude gehabt hätte. Nur dass das Ganze nicht auf einem englischen Landsitz spielt, sondern in Österreich. Finden wir gut!

"tv media", Nr. 14, 28. 3.-3. 4. 2009


Nora Miedlers Erstling "Warten auf Poirot" ist ein Krimi-Kammerspiel mit ausschließlich weiblicher Besetzung.

Nora Miedler konstruiert in ihrem Erstling eine geradezu klassische Krimi-Szenerie, wie man sie auch von vielen Agatha-Christie-Verfilmungen kennt. Allerdings verzichtet sie dabei noch zusätzlich auf ein besonderes Milieu und beschränkt sich ausschließlich auf ihre Protagonistinnen. Deren Beschreibung und die Dialoge zwischen ihnen sind ihr aber dann wirklich hervorragend gelungen. Allein damit gelingt es ihr spielend, schnell Hochspannung zu schaffen und bis zur letzten Seite zu halten.Der Roman erinnert stark an ein zu Prosa umgearbeitetes Theaterstück. Ein Versuch in die umgekehrte Richtung wäre sicher einen Versuch wert.

Alfred Ohswald in www.buchkritik.at 1.04.2009

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