Nora Miedler


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Nora-Conny Mostert

Interviews

Film- & Kunst- & Kulturmagazin für das Bergische Land
Interview mit Conny Mostert


Liebe Nora, seit wann bist du sooo „krimiverrückt“?


Angefangen hat es sicher schon in der Volksschule mit diversen Enid Blyton Romanen. Aber den großen Ausschlag hat Agatha Christie gegeben. Ich war zwölf, als ich „Hercule Poirots Weihnachten“ gelesen habe, und kann mich ganz ehrlich noch immer an den Schauer erinnern, den ich verspürt habe, als der Täter entlarvt wurde. Das war beinahe schon magisch und ist einer der Hauptgründe, warum ich so gerne Krimis lese. Ich bin ein absoluter „Whodunit“-Fan. Ich liebe das Mitraten bei einem Krimi. Wobei ich auch gerne Henning Mankell lese, bei dem der Täter ja oft kein Geheimnis ist.

Dein Erstlingswerk „Warten auf Poirot“ ist ja ganz wunderbar angenommen worden. Könntest du dir vorstellen dich als „Vollzeit-Schriftstellerin“ niederzulassen?

Ich stelle es mir jeden Tag vor! Das ist genau das, was ich machen möchte. Im Prinzip ist es ja das, was vermutlich alle Autoren wollen – davon leben können. Ich habe das Glück, dass ich es an vielen Tagen auch „Vollzeit“ machen kann. Ich bringe in der Früh meine Tochter in den Kindergarten, dann geht’s sieben Stunden an den PC (die Pausen bestehen aus Geschirrspüler ausräumen und staubsaugen) und um drei bin ich wieder im Kindergarten und dann einfach nur noch Mama – was auch schön ist.

Würdest du gerne mit einer deiner Protagonistinnen tauschen? Wenn ja, warum. Wenn nein, auch warum.

Hmm, ich hätte sicher gern das Selbstbewusstsein von Rita. Wahrscheinlich habe ich sie auch deswegen als Contra zu Charlie gewählt (die mir – fürchte ich – in manchen Dingen ähnlicher ist), weil ich auf Frauen wie Rita immer ein bisschen eifersüchtig war. Das ist für mich die Art Frau, der alles gelingt und die alles bekommt, die immer umwerfend aussieht und nie vor Scham rot wird (das alles natürlich nur auf den ersten Blick, Rita hat ja auch ihr Päckchen zu tragen).
Einige Leute, die meinen Krimi gelesen haben, wollten wissen, ob Charlies Charakter autobiographische Züge hat, ob ich vielleicht selbst mal in der Psychiatrie war. Nein, das war ich nicht. Aber manche Situationen, die sie erlebt, kenne ich sehr gut. Kleine Situationen, wie z. B. die im Auto auf dem Rücksitz, als sie sich so ausgeschlossen fühlt, sich aber lieber in diesem Gefühl suhlt, anstatt selbst was zu unternehmen, um sich mehr in die Gruppe zu integrieren. Der Unterschied zwischen ihr und mir ist jedoch, dass ich mich mit zwanzig so verhalten habe und nicht mit knapp dreißig. Charlie ist emotional sicher ein bisschen in der Jugend stecken geblieben, was ich wahnsinnig spannend fand, da es doch einigen Leuten so geht.
Ach ja, ich hätte gerne Marnies Laissez-faire, ihre Coolness. Nur halt auf eine gesündere Art und Weise. Bei Ingrid könnte ich mir ein bisschen Ehrgeiz ausborgen. Und Sonja hat als Mutter natürlich auch gewisse Ähnlichkeiten mit mir.
Fazit: ich mag oder teile gewisse Charakterzüge mit meinen Figuren, aber tauschen möchte ich letztendlich doch nicht;o)

Engagements am Theater und beim Film, Schriftstellerin, Mutter usw. – wie bringst du all das unter einen Hut?

In Wirklichkeit bleibt eh immer was auf der Strecke … wobei ich längere Zeit nichts mehr am Theater und fürs Fernsehen gemacht habe. Da hat vieles mitgespielt, einerseits meine Tochter, andererseits auch mein Lampenfieber. Ich habe mich vor ein paar Jahren entschlossen, eine Pause einzulegen, und diese fürs Schreiben genützt. Und mittlerweile weiß ich, dass ich damit meine Berufung gefunden habe. Ich mag diese Arbeit im stillen Kämmerlein, mag es, mir allein vor dem PC die Nächte um die Ohren zu schlagen und genieße dann sogar das Lampenfieber bei den Lesungen – ein bisschen Rampenlicht brauch ich schon.
Ein bisschen Zusatzgeld muss auch rein, also marschiere ich dreimal in der Woche ins Büro. Die anderen beiden Werktage sind rein fürs Schreiben da. Und natürlich die Nächte. Ich bin die beste Ehefrau der Welt, weil ich meinen Mann abends zu seinen Freunden schicke und ihm dankbar bin, wenn er erst um vier in der Früh heimkommt. Oft ist es auch so, dass wir abends gemeinsam fernsehen und ich dann zum schreiben beginne, wenn er schlafen geht.
Also, ich versuche alles unter einen Hut zu bringen, weiß aber auch, dass ich meine Freunde sträflich vernachlässige, weil einfach jeder Tag viel zu kurz ist.

Welches Buch liegt gerade bei dir auf dem Nachtschränkchen?

„Schwarztee“ ein Krimi von Anni Bürkl. Ich hab ihn gestern begonnen und finde ihn super. Seit ich selbst schreibe, lese ich vermehrt auch deutsche und österreichische Krimiautoren, das hab ich früher nicht gemacht, da wollte ich nur die Briten und die Amis. Mittlerweile weiß ich, dass es die deutschsprachigen genauso können.

Du hast schon mit vielen großartigen Schauspielern zusammen gespielt – hast du Kollegen die dir ganz besonders in Erinnerung sind?

Sicher nie vergessen werde ich Mathieu Carriere, mit dem ich bei „Kommissar Rex“ gedreht habe. Was er gesagt hat, wurde gemacht – Drehbuch umschreiben inklusive. Die Drehtage hat er mit einer Leichtigkeit runtergebogen, als würde er über ein Blumenfeld im Frühling tänzeln, während ich mir teilweise wie ein Elefant im Porzellanladen vorgekommen bin. Er war äußerst nett zu mir und hat sich die ganze Zeit mit mir unterhalten. Genauso wie Gedeon Burkhard, der sich ganz lieb gekümmert und es sogar geschafft hat, mir das Lampenfieber zu nehmen.
Unvergessen auch die Nestroy-Sommer auf Burg Liechtenstein mit unserer Intendantin und Schauspiellehrerin Elfriede Ott, die in Österreich absoluten Kultstatus hat. Ich erinnere mich an eine Szene, in der sie, in der Hitze des Gefechts, dem Kollegen Adi Hirschal ein halbes Glas Bier aufs Hemd geschüttet hat und daraufhin selbst so lachen musste, dass das Publikum in Begeisterungsstürme ausgebrochen ist. Danach hat sie bei jeder weiteren Vorstellung absichtlich Bier ausgeschüttet und absichtlich lachen „müssen“ und das Publikum hat sich jedes Mal total gefreut, weil die Ott ausgerechnet in DIESER EINEN Vorstellung einen „privaten“ Lachanfall hatte. Das ist halt ein wahrer Profi!

Sind mit dem Ariadne-Verlag neue Projekte und vielleicht auch Lesungen in Deutschland geplant?

Ja! Ich schreibe gerade an einem Roman, der im Herbst 2010 bei Ariadne rauskommen wird. Das ist ein Projekt, an das ich schon seit Jahren denke und ich bin überglücklich, dass Else Laudan, die Chefin von Ariadne, mein Expose abgesegnet hat. Vom Plot her wird es etwas völlig anderes als „Warten auf Poirot“. Ein Thriller mit unterschiedlichen Handlungsträngen, die sich nach und nach ineinander verweben. Da mach ich mich ein bisschen an mein zweites großes Vorbild, an den Amerikaner Harlan Coben, ran. Die Protagonistin wird übrigens eine Schauspielerin sein.
Lesungen in Deutschland wären ein Hit, die Realisierung ist leider schwierig. Doch sowohl der Verlag als auch ich sind dahinter, dass es klappt.

Was fällt dir ganz spontan zu deiner Premierenlesung ein?

Herzklopfen, heiße Wangen, Lachen, Lachen, Lachen, meine Tochter, die in der ersten Reihe sitzt und aus lauter Langeweile Grimassen schneidet, 48 Bücher signieren, eine endlos lange Schlange von netten Leuten, die mit mir reden wollen, maßlose Erleichterung und eine mitternächtliche Folge „Monk“ zur Belohung.



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