Nora Miedler Schriftstellerin und Schauspielerin


Direkt zum Seiteninhalt

Nora Die Musenfalle Rezensionen ausführlich

Rezensionen > Die Musenfalle

Die Musenfalle - Rezensionen

Ein verhängnisvolles Techtelmechtel
Das Monster, das in der Geisterbahn die Kinder kreischen macht, heißt Lilly und gehört zu den vielen Gelegenheitsjobberinnen, die sich gerade so eben über Wasser halten. Als Lilly, eigentlich Schauspielerin von Beruf, endlich einen Job in einem Werbespot angeboten bekommt, ist sie für ihre finanzielle Sicherheit zu Kompromissen bereit.
Lilly ist bewusstseinserweiternden Stoffen nicht abgeneigt, woraus auch etliche Pannen resultieren. Sie gerät in ein Techtelmechtel mit dem Auftraggeber des Werbespots, einem gutaussehenden Mann, vom halbstündigen Sex mit ihm ist sie allerdings weit weniger begeistert. Und noch weniger hingerissen, als am nächsten Morgen zwei Polizisten erscheinen und sie zur vergangenen Nacht befragen. Der schöne Mann ist nämlich ermordet worden.
Die Schauspielerin Nora Miedler nimmt Anleihen bei ihrer Berufserfahrung und schickt ihre kratzbürstige Heldin auf der Suche nach Schuldigen als U-Boot in eine mythenumwobene Theaterkommune. Lilly findet sich in einem streng hierarchischen, nach außen abgeschirmten Reich wieder, wo sich sich Fiktion und Realität überlagern. Die sadistischen Videos, die Lilly dort aufstöbert, sind verstörend: Bei welchen handelt es sich um Theater, welche sind "echt" ? Viele Einfälle abseits des Mainstreams und rasant-witzige Dialoge zeigen die Autorin auf einem entwicklungsfähigen Weg.
Ingeborg Sperl in DER STANDARD 4./5.12.2010


Lilly ist wild genug für eine Krimiserie

Die neue Heldin erschreckt Kinder in der Geisterbahn. Das ist die Geburtsstunde einer neuen österreichischen Krimi-Serie. Fix ist das noch keineswegs, aber es muss einfach so sein. Denn für einen einzigen Roman ist Lilly Sommer zu schade. Zu wild. Zu ausgefeilt. Lilly Sommer ist Schauspielerin – vor zwei Jahren gab sie immerhin die Pechmarie, und am Anfang von
„Die Musenfalle“ (Ariadne,11,40 Euro) darf sie Kinder in der Geisterbahn erschrecken. Lilly Sommer ist 30, denkt sehr oft an Sex und isst gern Ungesundes. In die Strumpfhose, die sie in der TV-Werbung für eine Telefonfirma tragen soll, passt sie nur knapp. Es ist aber völlig egal. Weil aus dem Auftrag dann doch nichts wird. Der Chef der Firma wird nämlich umgebracht, kurz nachdem Lilly mit ihm geschlafen hat. Sein Bruder wird seltsamerweise auch ermordet, und wenn Lilly dann ein Team mit einem abgehalfterten, alkoholkranken Filmstar bildet – der einst fast den Oscar bekommen hätte –, so gerät das zu einem sehr effektvollen Spiel. Auch eine Schauspieltruppe auf dem Land ist involviert.
Die Wiener Autorin (und Schauspielerin) Nora Miedler legt immer noch etwas Überraschendes drauf. Sie bewegt sich viel freier als in ihrem Krimidebüt „Warten auf Poirot“, das ein Kammerspiel in Agatha-Christie-Art war. Nora Miedler hat gelernt, kurz und bündig große Wirkung zu erzielen. Danke, es war eine gute Lesenacht mit der sehr interessanten Lilly Sommer.
Peter Pisa, Kurier 23.10.2010


„Ja, ich hab im Tatort mitgespielt“

In „Die Musenfalle“ verpackt Nora Miedler die Nöte von JungschauspielerInnen in einen wirklich unterhaltsamen Kriminalroman.
.....
Lilly steckt im Monsterkostüm und erschreckt Kinder in der Geisterbahn, als sie der Anruf ihrer Agentin erreicht. Sie hat den Vertrag! Sie ist Green Poison, das neue Werbe-Testimonial eines großen Mobilfunkbetreibers. Das bedeutet zwar, dass sie zur Prime Time in Glitzerbody und Nuttenstiefeln über die heimischen Fernsehbildschirme stolzieren wird, aber was soll’s. Die Leute würden sie erkennen. Das war es, was sie wollte.
Die erste Szene des Buches wirft uns nach allen Regeln der dramaturgischen Kunst mitten ins chaotische Leben der Protagonistin. Lilly Sommer ist Schauspielerin, der große Durchbruch ihr sehnlichster Wunsch. Wer allerdings einen ordentlichen Wintermantel braucht, die Miete eines WG-Zimmers zahlen muss und auf die tägliche Ration Gras nicht verzichten kann, darf sich für Kommerzrollen nicht zu gut sein. Immerhin liegt Lillys letzte echte Rolle zwei Jahre zurück, und das war auch nur die Pechmarie in einer Frau-Holle-Aufführung im Theater der Jugend. Green Poison kommt ihr also gerade recht.
Dumm nur, dass kurz nachdem sie den Vertrag unterschrieben hat, der Manager des Mobilfunkunternehmens erstochen wird. Noch dümmer, dass sie wenige Stunden vor dem Mord mit ihm geschlafen hat.
......
Schauspielerstolz
Das ist die Ausgangslage, von der aus die Autorin Nora Miedler ihre Protagonistin in eine Undercover-Ermittlung schickt, die ihr schauspielerisches Talent tausendmal besser unter Beweis stellt, als es auf einer Bühne oder vor einer Kamera je möglich wäre.
......
Mein Gesicht juckte unter der Theaterschminke. Obwohl wir dezent vorgegangen waren, spürte ich den gepinselten Bluterguss unter dem linken Auge so deutlich, als wäre er tatsächlich durch die Begegnung mit einer Faust zustande gekommen - Stanislawski, Sie wissen ja. Die Blicke der Passanten waren eindeutig, ich durfte mir gratulieren.
....
Eine Herausforderung, nach der sich vielleicht auch die Autorin insgeheim sehnt. Immerhin hat Nora Miedler einige Jahre selbst als Schauspielerin gearbeitet. Sie hat am Konservatorium Wien studiert, war in etlichen Theaterproduktionen z.B. im Rabenhof oder bei den Seefestspielen Mörbisch zu sehen, hat aber auch einmal in „Kommissar Rex“ mitgespielt. Es entspringt daher vermutlich nicht purer Fantasie, wenn Lilly gerne betont, sie sei Theaterschauspielerin, Fernsehen habe nicht den gleichen Stellenwert für sie. Trotzdem muss sie selbstironisch gestehen:
....
„Ja, ich hab im Tatort mitgespielt“ – „Die Leiche? Hahaha.“ An dieser Stelle stimmte ich stets ins Lachen ein, verschwieg, dass ich tatsächlich nach einem halbminütigen Auftritt erdrosselt wurde – aber hey, werden Sie mal erwürgt, wissen Sie, wie schwierig das ist? – und dass ich natürlich eine Fernsehkarriere wollte!
....
Lesen statt fernsehen!
Mittlerweile hat Nora Miedler ihre Hauptbeschäftigung ganz aufs Schreiben verlagert und für „Die Musenfalle“ eine Handlung ersonnen, die jeder Tatort-Episode locker zur Ehre gereicht. Zum erstochenen Manager gesellen sich noch ein toter Richter und ein verschwundenes Mädchen, die auf verschlungenen Wegen alle mit den abstrusen Geschäften der ehrwürdigen Schauspiellehrerin Frieda Bernhard zu tun haben. Letztere bildet in einer Theaterkommune die Bühnenelite von Morgen aus. Fast nebenbei portraitiert Miedler also das österreichische Schauspielmilieu zwischen realen Weltruhmambitionen und überheblicher Eitelkeit. Die wahre Kunst, so gibt sie uns zu verstehen, ist oft viel korrumpierbarer als jeder kleine Statist. Ahnungslos, wer glaubt, dass man mit einem Werbevertrag seine Schauspielerseele verkauft.
....
„Die Musenfalle“ ist 2010 bei Ariadne Kriminalroman im Argument Verlag erschienen.
Getragen wird „Die Musenfalle“ aber, wie fast jeder gute Krimi, von ihren wunderbar brüchigen Figuren, deren Parts Nora Miedler allesamt gekonnt übernimmt. Allen voran Lilly, die ihre Monsterhaftigkeit aus der ersten Szene wie eine Maske durch den ganzen Roman trägt. Sie gibt sich als derbes, aufsässiges Weib, das viel zu leicht zu haben ist und durch seine Impulsivität permanent in unangenehme Situationen gerät. Sie kann so richtig schön g'schissn sein. Von ihrer Perspektive wechselt die Autorin zu Dino, Lillys detektivischem Partner, der sich nach einer verpatzten Oscar-Chance dem Alkohol hingegeben hat, zu Frieda, der guruhaften Schauspieldiva oder zu Britta, Lillys stocksteifer Mitbewohnerin.
In dieser Konstellation ergeben sich die launigsten Dialoge, die rotzigsten Schmähs und die an bester schauspielerischer Menschenkenntnis geschulte Detektivarbeit. Für den kommenden Sonntagabend lautet die Empfehlung daher nicht ORF2, sondern 250 Seiten Musenfalle.

FM4 Connected ORF 14.10.2010


Die Ariadne-Krimis aus dem Argument Verlag sind immer wieder für eine Überraschung gut.
Nora Miedlers, in Wien spielende, Musenfalle hat mich jedoch trotz alledem kalt erwischt:
.....Derart hinreißend, voller Saft, Drive und Tempo wurde meines
.....Wissens noch niemals ein Krimi im Theatermilieu geschildert.
Die Hauptfigur Lilly hier in dieser Rezension als Schauspieler-Schlampe zu bezeichnen ist
keine Beleidigung, sondern ein Kompliment.
Wer's nicht glaubt, der lese selbst!
Fazit: unbedingt kaufen!! und, lieber Argument-Verlag: WEITER SO !!
Jürgen Hoppmann - www.positiv-web.de, September 2010


Lily Sommer ist faul. Sie trinkt zuviel, kifft zuviel, hat kaum echte Freunde, geht aber mit dem Erstbesten ins Bett, wenn ihr danach ist. Eine Schlampe, könnte man sagen. Aber Moment - sind das nicht genau die Eigenschaften, die wir Krimileser an unseren abgehalfterten Privatdetektiven und Noir-Helden so bewundernswert finden?
Die Österreicherin Nora Miedler spielt in ihrem zweiten Roman „Die Musenfalle" mit Erwartungen: Ihre Protagonistin Lily ist nicht einmal eine richtige Detektivin, sondern eine Möchtegern-Schauspielerin, die in einer WG haust und nach einem Job in der Geisterbahn endlich einen Zweijahresauftrag fürs Werbefernsehen in Aussicht hat. Natürlich schläft sie gleich mit dem Chef der Firma, für die sie werben soll; eh nichts Besonderes, aber ihr war halt grad danach. Und natürlich wird der kurz danach umgebracht (so wie sein guter Freund, ein prominenter Anwalt), und die Polizei steht vor Fräulein Sommers Tür. Jetzt liegt es an ihr, das Rätsel zu lösen, zusammen mit dem Sohn des Ermordeten und einem versoffenen Fast-Oscar-Preisträger, der in einer Detektei aushilft.
„Die Musenfalle" ist noch besser als Miedlers Debüterfolg „Warten auf Poirot", weil die Autorin stets überrascht: Die scheinbare Auflösung zielt auf ein aktuelles, zu oft verwendetes Krimiaber dann ist erfreulicherweise doch wieder alles anders. Ein Twist folgt dem anderen, ohne je zu nerven, unwahrscheinliche Konstellationen treffen auf radikale Lösungen, und der Schluss ist so finster, wie man sich das nur wünschen kann. Ein neuer Höhepunkt der deutschsprachigen Krimiszene.
Peter Hiess in der Buchkultur 132 Oktober/November 2010


»Wie im Delirium der Musetten verkehrt herum zu tanzen...«

Theaterschauspielerin Lilly Sommer hat den großen Sprung noch nicht geschafft. Ein Job in der Werbung könnte ihre angespannte Finanzlage spürbar verbessern. Doch da taucht die Kriminalpolizei bei ihr auf: Zwei mächtige Männer fanden einen gewaltsamen Tod.Lilly hängt mit drin, ob sie will oder nicht. Bei Online-Recherchen stößt sie auf Frieda Bernhards Theaterkommune. Zu diesem illustren Kreis zu gehören ist ein alter Traum. Lilly beschließt, ihr Talent für ein Undercover-Manöver zu nutzen.

Nora Miedler, die mit ihrem Debüt Warten auf Poirot für eine DER positiven Überraschungen 2009 sorgte, meldet sich mit ihrem zweiten Buch Die Musenfalle zurück. Und sie geht ein Wagnis ein. Keine Variation ihres Erstlings, kein »Whodunit« mit ironischen Spitzen und leicht horribler Backwood-Atmosphäre; stattdessen eine Detektivstory. Hardboiled, aber mit Miedler-Touch.
Denn die Hauptfigur Lilly Sommer ist natürlich kein lupenreiner, ausgekochter PI mit dem Herz am rechten Fleck, sondern eine wenig erfolgreiche Schauspielerin (zu Beginn arbeitet sie als Vampir in einer Geisterbahn. Wirklich. Nora Miedler traut sich was...), auf dem Sprung einen lukrativen Werbevertrag zu unterschreiben.
Eine Aktion, die zu einem Date mit Alexander Strehl, einem der Geschäftsführer des Mobitel-Unternehmens, führt. Das Treffen der beiden ist kurz, heftig, seltsam und mit dem Austausch von Körperflüssigkeiten begleitet.Am nächsten Tag ist Strehl tot, und die Polizei steht vor Lillys WG-Tür. Dumm gelaufen, wird sie doch zunächst als Tatverdächtige Nummer Eins behandelt, was vor allem WG-Mitbewohnerin Britta verschreckt, die seit dem Polizeibesuch nur noch mit Hirschfänger unter dem Kopfkissen schläft.
Doch hat es in jener Nacht nicht nur den One Night Stand Lillys tödlich erwischt, auch der wohl angesehene Richter Ludwig Seibold hat die Daseinsform dank einschneidender Argumente gewechselt. Was Lilly stutzig werden lässt. Denn jener Richter ist der Bruder von Frieda Bernhard, dem Schauspiel-Idol Lillys, die eine elitäre und eingeschworene Theaterkommune leitet. Nicht nur das: in der Nacht vor seinem Tod erhielt Alexander Strehl einen Anruf von einer gewissen »Frieda«.
Lilly folgert Schluss und beschließt Undercover die Bernhard-Truppe zu infiltrieren. Sehnsucht und Wissensdurst liegen eng beieinander. Doch wie soll es ihr gelingen, in den inneren Zirkel zu gelangen, der mehr Aspiranten als Plätze hat?
Dino darf’s richten. Jener Dino, den Lilly seit der Schauspielschule kennt, den sie sich nach der Premierenfeier seines ruhmreichen Films auf einer Toilette zur Brust nahm, und der jetzt als dauerbetrunkenes Wrack den Detektiv gibt. Zunächst wenig angetan, hilft er Lilly schließlich, in Frieda Bernhards Kommune Aufnahme zu finden. Günstig auch, dass Martin, der Sohn Alexander Strehls, seines Zeichens Polizist, nach einer rüden Attacke auf Lilly, später von ihrer Unschuld überzeugt, die Eintrittskarte für Frieda Bernhards Club bezahlt.
Lilly Sommer ermittelt. Und kommt dem Messer des Killers bedrohlich nahe. Nachdem sie an anderer Front unglaubliches herausgefunden hat.
Mit
Die Musenfalle ist Nora Miedler wieder ein vergnüglicher, sarkastischer und spannender Roman gelungen. Klare Sprache, knappe Sätze; es gibt kaum Platz zum Verweilen. Mag Lilly in mancher Beziehung ähnlich verhuscht sein wie Charlie, die Hauptfigur des Vorgängers, steht sie doch wesentlich selbstbewusster im Leben. Sie verliert gelegentlich den Kampf gegen ihre Libido und gegen verlockende Drogen, aber sie ist eine Kämpfernatur, schüttelt sich kurz und macht weiter. Lilly Sommer stellt manche ihrer Handlungen in Frage, aber nicht sich selbst. Was sie für den Job als Privatdetektivin geradezu prädestiniert. Und ihre Umgebung in den Wahnsinn treiben kann.
Wovon Dino Winter alsbald ein Lied singen kann. Denn der abgehalfterte Filmstar mit der Goldenen Palme in der Vitrine, der Oscar-Nominierung im Gedächtnis, den verpassten Gelegenheiten im Gewissen und der Wodka-Flasche in Reichweite, ist gleichzeitig genervt und angezogen von der aktiven Lilly. Fast ohne, dass er es merkt, gibt sie ihm den Tritt in den Hintern, den es braucht, um weitere (Lebens)-pläne zu schmieden.
Ähnliches löst sie bei Martin Strehl aus. Vom Hass auf die mutmaßliche Mörderin seines Vaters zum eingeschworenen Komplizen ist ein kurzer Weg. Vielleicht zu kurz …
Obwohl Lillly die Ich-Erzählerin des Romans ist, wechselt die Perspektive beständig. Dino Winter, Frieda Bernhard, Martin Strehl bekommen ihre jeweiligen Präsentationsflächen. Nicht alle kommen gut dabei weg. Auch Lilly wird nicht geschont, bzw. schont sich nicht selbst. Sie ist (zu) neugierig, begeht Fehler, hat einen gefährlichen Hang, die Kontrolle zu verlieren, gerät in bedrohliche Situationen, denen sie mit mehr Glück als Verstand entkommt und bleibt immer einen Rest kleines Mädchen, das mit großen Augen durch die Welt streift, um feststellen zu müssen, wie verkorkst doch alles ist. Glücklicherweise gibt es noch die Eltern, die einem mit halbem Ohr und ganzem Herzen zuhören, auch wenn sie nicht alles verstehen. Müssen sie auch nicht. Hauptsache sie sind da.
Mehr noch als
Warten auf Poirot ist Die Musenfalle Literatur über gescheiterte Lebensentwürfe, unerfüllte Träume, über Veränderungen, die das Leben beeinflussen, auch wenn es gerade gar nicht passt. Lilly arrangiert sich, auch wenn es schwer fällt, andere wie Dino treten die Flucht an, bis es doch die Chance auf Einsicht und Umkehr gibt. Die vielleicht interessanteste Figur, wenn auch ausbaufähig: Frieda Bernhard. Sie hechelte einem Traum hinterher, der völlig unzeitgemäß ist und sich vermutlich gar nicht mehr leben lässt, weil die Sponsoren dafür aussterben. Gleichzeitig geht sie Kompromisse ein, die ihre Kommune an den Rand des absoluten Grauens führt. Der kleine Bruder Ludwig, der ihr langsam über den Kopf gewachsen ist, sorgt nicht nur für finanzielle Unterstützung, sondern auch für eine Pervertierung von Friedas Vorstellung eines absoluten Theaters.
Die Beziehung der Geschwister, aber auch Alexander Strehl, hätte ein wenig mehr Tiefe vertragen können, aber auch so ist
Die Musenfalle ein erfreuliches Buch mit genügend Stacheln geworden, um für Nachdenken über den Text hinaus zu sorgen.
Nora Miedler hat keine Scheu tollkühne Volten zu schlagen, die Schraube dann noch einmal anzudrehen, und mit hinterhältigen Pointen für plausible Überraschungen zu sorgen. Es macht ihr sichtlich Spaß, forschem Übermut eine Plattform zu bieten – allein die Namensgebung: Sommer, Winter und als Tarnname Herbst muss man erst mal bringen -, und sie tut dies wie bereits in
Warten auf Poirot gekonnt und mit Charme; ohne ihre Figuren, die manchmal hart am Rand zum Klischee entlang wanken, der Lächerlichkeit preiszugeben.
Am Ende bleibt offen: werden Lilly und Dino in Serie gehen? Das Potenzial dazu hätten die beiden.
Jochen König in Krimi-Couch.de, August 2010


In "Die Musenfalle" behält Miedler ihre Vorliebe für Erzählerinnen mit Ecken und Kanten bei, genremäßig greift sie in die Chandler- und Hammett-Kiste:
Unfreiwillige Detektive kämpfen da um ihr Leben, überall dunkle Verwandtschafts- und sonstige Verhältnisse, Täter, die zu Opfern werden, sektenartige Umtriebe, verschwundene Frauen, ermordete Würdenträger und ein Ende, an dem alles noch viel schlimmer ist als erwartet. Bis dahin hat sich Heldin Lilly mit den Bösen sowie mit der Polizei angelegt, sich in ein Frauenhaus eingeschlichen und unter die Jüngerschaft des ominösen Schauspielgurus Frieda Bernhard gemogelt, sie ist verprügelt und mit dem Tod bedroht worden.
Dabei macht sie (ganz dem Verlagsprofil von Ariadne folgend) genüsslich Kleinholz aus allen Brave-Mädchen-Klischees: Sie ist impulsiv und unsensibel, laut, aggressiv und promisk, gleichzeitig empfindlich und nahe am Wasser gebaut; ein wunderbar gelungenes Großmaul. Auch wenn man das wollte: Die weiblichen und männlichen Attribute kann man hier nicht mehr auseinanderklauben, was eine angenehm alltagstaugliche Heldin schafft.
Und dass sie (genauso wie übrigens ihre Schöpferin) von der Bühne kommt, macht dieses Buch auch zum Theaterroman, der sein Thema in die verschiedensten Richtungen ausleuchtet: Theater beispielsweise als moralisch nicht ganz einwandfreie Lüge, wenn sich Lilly unter die geschlagenen Existenzen des Frauenhauses mischt; oder als Kampf hehrer Ideale gegen die banale Wirklichkeit, wenn man bemerken muss, dass man mit künstlerischem Anspruch eben keine Rechnungen bezahlen kann.
Was den nötigen Drive angeht, kann man Miedler nichts vormachen, aus der Hand legen wird man das Buch kaum. Ausgiebig bedient sie das Hardboiled-Genre und zieht dabei alle Register – allerdings quietscht das eine oder andere dabei ein wenig: So geht die Rasanz manchmal auf Kosten der Charakterzeichnung, wo andere Figuren neben der mit kräftigem Strich gezeichneten Heldin etwas verblassen; sie scheinen eher erzählnotwendig als anschaulich. Dass Dino zum Beispiel Privatdetektiv geworden ist, hat wohl einfach gut zur Schnapsfahne gepasst, ein bisschen zu unmotiviert sitzt er in seinem Büro herum. Dafür hat Lilly in ihm den idealen Partner für den obligaten charmanten (naja, nicht immer charmanten) Schlagabtausch. Ob das Traumpaar am Ende zusammenfindet, wird hier aber nicht verraten.
Der Schluss, der große Showdown, ist zwar ebenfalls nicht ganz rund, dafür aber umso wilder – Stieg-Larsson-wild geradezu. Und statt einer lupenreinen Auflösung bleibt da ein schöner Widerhaken im Kopf des Lesers. Nora Miedler ist ein Krimi mit der genau richtigen Haltung, der genau richtigen Geschwindigkeit gelungen – ein schöner Schmöker.
Bernhard Oberreither - Online-Buchmagazin des Literaturhauses - 09.09.2010


Was für ein Theater! Lilly Sommer, Schauspielerin, hat den großen Sprung auf die Bühne immer noch nicht geschafft. Jetzt scheint sich endlich eine Chance auf zutun: Lilly soll für einen Telefonanbieter in einem Werbespot auftreten. Die Finanzen scheinen also erst einmal gesichert zu sein. Wie blöd, dass ausgerechnet jetzt zwei Männer ermordet werden, darunter einer mit dem Lilly auch noch Sex hatte. Aus der Traum vom gesicherten Alltag und der beginnenden Karriere. Kein Wunder, dass sich Lillys Kampfgeist regt. Wild entschlossen, ihr Leben (wieder) in den Griff zu bekommen stürzt sie sich in die Onlinerecherche und wird bei einer Theaterkommune fündig. Zu dieser zu gehören, war schon immer Lillys Traum und so setzt sie alle Hebel in Bewegung, um sich dort einschleusen zu können. Das ist spannend, fordert Lillys ganzes Schauspieltalent - und bringt sie unverhofft in Lebensgefahr. Nora Miedler hat mit ihrem zweiten Krimi ein fesselndes Buch vorgelegt, dass mit einer sympathischen Antiheldin aufwartet, die von einem Fettnapf in den nächsten stolpert, und eine erstaunliche Auflösung bietet – unbedingt lesen.
Ostsee-Zeitung, 8.11.2010


... Die Leserin fühlt sich dem gruseligen Geschehen ausgeliefert, wenn Lilly in ihrer Impulsivität von einer Gefahr in die nächste hineinrennt. An anderer Stelle eilt die Leserin gedanklich den AkteurInnen voraus, wenn sich die Spuren für eine Rekonstruktion des Tathergangs zu verdichten scheinen. Dies liegt mit daran, dass die Autorin den Roman aus der Ich-Perspektive ihrer Heldin Lilly erzählt, dies aber öfters dadurch bricht, dass sie das Handeln dre anderen Figuren abseits von Lillys Pfaden verfolgt.
Schmunzeln, schaudern, schmökern … schnell löst der Krimi diesen Dreisatz ein, da er wunderbar aus Krimi-Genre-Plattitüden steppt und ihnen Kontra bietet. Keine Schablonen-Charaktere, sondern welche mit Ecken und Kanten werden hier in die Welt des Verbrechens gestoßen und kämpfen sich mit Spontaneität, Situationsglück und Wagemut wieder frei. Dazwischen liegt ein Fundus an unerwarteten Wendungen, Rätselhaftigkeiten und dilettantisch-phantasievollen Aufklärungsversuchen, der bei alten und neuen Krimifans keinen Funken Langeweile aufkommen lassen wird.
Tatjana Zilg - AVIVA-BERLIN.de, Dezember 2010



Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü